Sonderheft 14, Oktober 2010

Von Peter Kubelka und dem internationalen Fußball lernen: Allerdings führt unsere Afrikareise in den Tschad, nach Nigeria und in die Sahara, in einen fiktiven westafrikanischen Staat sowie in die Karibik. Annett Busch etwa zieht Querverbindungen zwischen White Material von Claire Denis und Moloch Tropical von Raoul Peck – beide "inmitten postkolonial globaler Abhängigkeitsverhältnisse" angesiedelt. Robert Weixlbaumer stellt mit seinem Werkporträt zu Mahamat-Saleh Haroun einen der wenigen derzeit international präsenten Filmemacher afrikanischer Herkunft vor, Marie-Héléne Gutberlet "transsaharische und transmediterrane Reisen in zeitgenössischen Filmen." J. Enoka Ayemba liefert jede Menge Hintergrundwissen zum Phänomen Nollywood, das Berliner Kuratorenkollektiv The Canine Condition konzeptionelle Überlegungen zur Arbeit an seiner Veranstaltungsreihe "Spuren eines Dritten Kinos".

Ich glotz' TV! hieß bereits vor gut zwei Jahren ein Dossier zum Thema Fernsehserien (kolik.film 10, 2008), das wir in dieser Ausgabe weiterführen. In einem Überblickstext widmet sich Gabriele Schabacher der Tatsache, dass TV-Serien längst nicht mehr nur im Fernsehen stattfinden, sondern mittlerweile möglichst viele mediale Plattformen und erweiterte Marketingstrategien nutzen. Die amerikanische Serie Treme mag in dieser Hinsicht ein schlagendes Beispiel sein, die deutsche Krimiserie Der Kommissar eher nicht. Dennoch gehören beide der Fernsehgegenwart auf DVD an, ein Umstand, den sie mit Olivier Assayas' Dreiteiler Carlos gemeinsam haben, der in einer gekürzten Fassung auch im Kino lief, während Carola Platzek sich extra ins MUMOK begeben musste, um Andy Warhols kulinarisches TV-Œuvre bestaunen zu können.

Der sich weiter intensivierenden Austauschbeziehung zwischen Film und Kunst haben wir ein eigenes Dossier gewidmet: Sieben Filmschaffende bzw. KuratorInnen antworteten schriftlich auf unsere etwas polemisch gestellte Frage "Was will der Film von der Kunst?" Volker Pantenburg und Dietmar Schwärzler haben aus konkreten Präsentationen filmischer Arbeiten in Museen und Ausstellungen ihre eigenen (programmatischen) Schlüsse gezogen und Simon Field, Kurator und Produzent, hat mit Dominik Kamalzadeh nicht nur über seine Zusammenarbeit mit Apichatpong Weerasethakul gesprochen. Neben einem divergent bestückten Dossier zum Österreichischen Film fokussieren wir in der Rubrik Vermischtes auf die Filmemacher Larry Cohen, Ramin Bahrani und den kürzlich verstorbenen Alain Corneau. Hans Scheugl nimmt in seiner Replik Lars Henrik Gass' Plädoyer für einen Experimentalfilmdiskurs in der letzten kolik.film auf und liefert gleich noch eine Klärung des Begriffs Experimentalfilm dazu. Im Rezensionsteil schließlich stehen das neuerdings auch auf DVD erhältliche Filmschaffen von Klaus Wildenhahn und der Reader Film.Avantgarde.Biopolitik auf dem Programm. Peter Nau hat das Heft durchgängig mit Miniaturen geschmückt sowie ein Gespräch mit Bärbel Freund beigesteuert.

Unser nächstes Heft erscheint im März 2011.

Die Redaktion - Wien, Oktober 2010


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